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Diabetes mellitus Typ 2 – „Zuckerkrankheit“

Diabetes mellitus, der Fachausdruck für «Zuckerkrankheit», ist eine Stoffwechselkrankheit. Diabetes betrifft heute schon viele Menschen. Nachfolgendes Video erläutert das Wichtigste einfach und verständlich:

Weltweit erkrankt alle 5 Sekunden 1 Mensch an Diabetes und alle 10 Sekunden stirbt 1 Mensch an deren Komplikationen. Gemäss der Weltgesundheitsorganisation WHO sind weltweit 420 Millionen Menschen zuckerkrank. Dies entspricht 5,1% der Bevölkerung. In der Schweiz sind es ca. 500’000 Menschen. Die Anzahl wird ohne Gegenmassnahmen stark zunehmen. Dies hat daher einen sehr grossen Einfluss auf unsere Gesellschaft und die persönliche Lebensqualität, sowie die Lebenserwartung. Die gesamten Gesundheitskosten in der Schweiz für Diabetes und deren Komplikationen betragen jährlich 994 Mio CHF (Bundesamt für Statistik 2014).

Wie entsteht Diabetes mellitus Typ 2

Ein erwachsener Mensch besteht zu 1% aus unterschiedlichen Zuckermolekülen. Durch das körpereigene Hormon Insulin können unsere Körperzellen den lebenswichtigen Zucker (=Glucose) aus dem Blut aufnehmen. Zucker dient entweder als Energielieferant in Muskeln oder Hirnzellen oder wird gespeichert in Leber und Fettzellen. Der Blutzucker steigt wenn im Körper nicht ausreichend Insulin aus der Bauchspeicheldrüse freigesetzt wird, sogenannter Insulinmangel und/oder der Körper Insulin nicht richtig nutzen kann, sogenannte Insulinresistenz. Dadurch kann der Zucker nicht aus dem Blut in die Zellen aufgenommen werden und es entsteht über längere Dauer ein Diabetes. Diabetes mellitus Typ I entsteht durch einen Insulinmangel, beim Typ 2 hingegen treten Insulinresistenz und Insulinmangel zusammen auf.

Folgende Faktoren erhöhen das Risiko an Diabetes zu erkranken:

  • Vererbung (Häufung von Diabetes bei Eltern oder Geschwistern)
  • Bewegungsmangel
  • Übergewicht und Adipositas
  • Alter

Berechnen Sie Ihr Diabetes Risiko

Was sind Zeichen (Symptome) für eine Zuckerkrankheit

Zuerst zeigen sich im Frühstadium häufig keine Symptome. Daher wissen geschätzt die Hälfte der Menschen mit Diabetes mellitus Typ 2 nichts von ihrer Krankheit. Bei zunehmendem Blutzuckerspiegel zeigen sich im Verlauf folgende Symptome:

  • Müdigkeit und Leistungsabfall
  • Verschwommenes Sehen
  • Starker Durst
  • Häufiges Wasserlassen
  • Erhöhte Infektanfälligkeit
  • Gewichtsverlust

Was sind Spätfolgen

Zuckerkrankheit schädigt die kleinen und grossen Blutgefässe. Dadurch können verschiedene Organe und Körperfunktionen geschädigt werden:

Kleine Blutgefässe (Mikrovaskuläre Komplikation)

  • Augen: Sehstörungen bis zur Erblindung
  • Nerven: Nervenkrankheit (Polyneuropathie) v.a. der Füsse
  • Nieren: Nierenfilter-Störung (Glomeruläre Nephropathie) bis zum Nierenversagen

Grosse Blutgefässe (Makrovaskuläre Komplikatione)

  • Herz: Koronare Herzkrankheit und Herzinfarkt-Risiko bis 4x erhöht
  • Gehirn: Hirnschlag-Risiko 2x erhöht

Wie wird Diagnose gestellt

Die Diagnose wird wegen der geringen Symptome im Durchschnitt erst nach 7 Jahren Krankheitsdauer gestellt. Während dieser Zeit ist das Risiko für im Text genannten Folgeerkrankungen erhöht. In den meisten Fällen wird die Diagnose beim Hausarzt gestellt. Dies erfolgt in der Regel durch Blutuntersuchungen.

Die Kriterien für eine Diabetes-Diagnose sind:

diabetes labor

  • Wiederholte Nüchtern-Plasmaglucose > 7,0 mml/l
  • HbA1c > 6,5% (zeigt an, wie der Blutzuckerspiegel die letzten 3 Monate war)
  • OGTT = Oraler Glucose Toleranz Test (v.a. bei Schwangerschaftsdiabetes)

Behandlung von Diabetes mellitus Typ 2

Abhängig von der Höhe des Blutzuckerspiegels werden folgende Behandlungen empfohlen.

  1. Lebensstil-Veränderung: mehr Bewegung (2.5h / Woche empfohlen) und Verzicht auf zusätzlichen Zucker in Nahrung
  2. Medikamente in Form von Tabletten (Biguanide, Sulfonylharnstoffe, Glinide, Gliptine (DPP-4-Hemmer), Glitazone, alpha-Glukosidase Hemmer, SGLT-2-Inhibitoren)
  3. Medikamente in Form von Spritzen (Liraglutid, Insulin)
  4. Behandlung der Spätkomplikationen und Begleiterkrankungen (z.B. Cholesterin-Erhöhung)
  5. Verzicht auf Zigaretten (zusätzliches Risiko für Gefässerkrankung)

ACAMED Empfehlungen: Was können Sie tun

Vorbeugen ist besser als heilen:

  • Vermeiden Sie zusätzlichen Zucker in der Nahrung. Viele Nahrungsmittel haben bereits von Natur aus Zucker drin.
  • Zusätzlich 30min Bewegung täglich bzw. mindestens 2,5 Stunden pro Woche
  • Lassen Sie sich bei Häufung von Diabetes in der Familie bei Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt alle 2 Jahre testen.
  • Bei Auftreten von Diabetes Symptomen über mehrere Tage (siehe oben) raten wir zu einer hausärztlichen Untersuchung
  • Verzicht auf Nikotin und Beschränkung von Alkohol

Wenn Diabetes diagnostiziert wurde ist das Ziel die Vermeidung von Spätfolgen:

  • Hausärztliche Kontrolle (inkl. HbA1c, Blutdruck- und Gewichtskontrolle) 3-4x/Jahr
  • Cholesterinkontrolle 1x/Jahr (Laboruntersuchung beim Hausarzt): Ziel-LDL-Cholesterin < 2,6mmol/l
  • Nieren-Kontrolle 1x/Jahr (Laboruntersuchung beim Hausarzt)
  • Nerven-Kontrolle beim Hausarzt 1x/Jahr
  • Augenarzt-Kontrolle beim Augenarzt 1x/Jahr
  • Gewichtskontrolle 1x/Jahr (BMI <25kg/m2)
  • HbA1c-Zielwert <7,0% oder individuell und altersabhängig mit dem Hausarzt festlegen, der durch konsequente Behandlung erreicht werden soll
  • Medikamente regelmässig einnehmen. Kontaktieren Sie den Arzt bei allfälligen Unverträglichkeiten, damit die Behandlung angepasst werden kann.
  • Ernährungsumstellung mithilfe von Ernährungsberatung und allenfalls Diabetesberatung

Zur Unterstützung von Diabetikern bietet ACAMED das Chronic Care Programm im Medizinzentrum Dübendorf und Uster an.

Autor: Dr. med. The Phuoc Truong, Facharzt Allg. Innere Medizin FMH, ACAMED Medizinzentrum

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